Weiterbildung zum verhaltenstherapeutisch orientierten Supervisor

Grundorientierung der Weiterbildung

Verhaltenstherapeutische Supervision ist eine Sonderform von Supervision, insofern sie eine solche im psychotherapeutischen Bereich und hierin Therapieschulen spezifisch ist. Die in der Weiterbildung vermittelte supervisorische Kompetenz besteht daher sowohl aus allgemeinen therapieunabhängigen supervisorischen Fertigkeiten als auch andererseits aus der Fähigkeit zur Verhaltenstherapie spezifischen Supervision. Innerhalb der Psychotherapie orientiert sich die Weiterbildung an einem allgemeinen Psychotherapieverständnis im Sinne von Grawe et al. 1994. Grundlage der Weiterbildung ist daher ein allgemeines Supervisionsverständnis, das die VT-spezifischen Supervisionskonzepte integriert.

Die verhaltenstherapeutische Schwerpunktbildung der Weiterbildung soll die Teilnehmer am Curriculum befähigen, einerseits Verhaltenstherapie personen- und fallorientiert zu vermitteln und andererseits verhaltenstherapeutische Denkkategorien und Methoden in der Supervision selbst anzuwenden.

Ziel der Weiterbildung ist nicht ein Supervisor als neuer Berufsstand, sondern die Weiterqualifizierung in einem vorhandenen Beruf bzw. die Zusatzqualifikation auf dem Gebiet der Supervision dieses Berufsfeldes.

Ziele

Das Kompetenzprofil des verhaltenstherapeutischen Supervisors erfordert neben grundlegenden Kenntnissen der Verhaltenstherapie zunächst die Fähigkeit, Verhaltenstherapie kontextbezogen, personenorientiert und fallbezogen zu vermitteln. Der nach oben genannter Grundorientierung ausgebildete verhaltenstherapeutische Supervisor kann daher einerseits verhaltenstherapeutische Supervision als Teil der VT-Weiterbildung durchführen. Er kann aufgrund der Verknüpfung Schulen spezifischer Kenntnisse mit allgemeineren supervisorischen Fertigkeiten darüber hinaus Therapeuten ganz allgemein in ihrer weiteren beruflichen Entwicklung betreuen und schließlich auch Gruppen und Teams supervidieren, deren Mitglieder sich aus verschiedenen Therapieschulen zusammensetzen. Und er kann schließlich auch organisatorische Einheiten psychosozialer Einrichtungen (z. B. deren Leitungen) konflikt- oder zielorientiert beraten bzw. deren Entwicklung supervisorisch begleiten. Hiervon ausgehend lassen sich als Einzelziele definieren:

  • Kenntnis allgemeiner und spezifischer Supervisionsmodelle und ihrer Geschichte
  • Kenntnis verschiedener Formen von Supervision (Einzel-, Gruppen-, Teamsupervision, Coaching, Institutionsberatung)
  • Wissen um den Aufbau und die Entwicklung von Organisationen und deren Beratung
  • Kenntnis Therapieschulen spezifischer Supervisionskonzepte
  • Kenntnis supervisorisch relevanter Gruppenphänomene in Gruppen- und Teamsupervisionen
  • Sensibilität, Verantwortlichkeit und Sicherheit im Umgang mit ethisch/moralischen Fragen der Supervision
  • Kenntnis der wichtigsten Supervisionsmethoden - Schulen spezifisch und Schulen übergreifend
  • Fähigkeit zur Verwirklichung typischer supervisorischer Skills bei Kenntnis der relevanten Lernprozesse und Wirkvariablen der Supervision
  • Sensibilität für die Supervisor-Supervisand-Beziehung und der geschlechtsspezifischen Einflüsse hierauf
  • Kenntnis relevanter Ergebnisse der Supervisionsforschung und ihrer Methodik
  • Fähigkeit zur Leitung von Einzel- und Gruppensupervisionen
  • Fähigkeit zur Leitung von Teamsupervision
  • Fähigkeit zur Beratung von Institutionen
  • Fähigkeit zur Integration multipler Perspektiven in die verhaltenstherapeutische Fallsupervision (Zielorientierung; diagnostische Perspektive; Kontextvariablen; Integration von Selbsterfahrung in die Supervision; Beziehungsanalyse; Integration von Therapieanweisung oder VT-Teaching)
  • Fähigkeit zur Förderung beruflich-professioneller Identitäten bei Supervisanden in allen Bereichen der psychotherapeutisch-psychosozialen Hilfe.

Der Supervisor/die Supervisorin erwirbt sich darüber hinaus ein Verständnis für die Verflochtenheit des therapeutischen und supervisorischen Prozesses mit der Person von Supervisand/Supervisor. Der Förderung der Sensibilität hierfür und der dadurch beeinflussten Beziehungsaspekte wird in der Weiterbildung ein hoher Stellenwert eingeräumt.        

Didaktik

Didaktisches Leitprinzip ist ein ganzheitlich-integriertes Lernen, das die Aufspaltung in Theorie und Praxis vermeidet. Die Vermittlung von Wissen/Fertigkeiten durch Dozenten soll verbunden werden mit dem interkollegialen Erfahrungsaustausch, dem Eigenstudium von Literatur und der Förderung eigener kasuistischer Forschungen auf dem Gebiet der Supervision. Die bei Seminartage näher ausgeführten Bestandteile der Weiterbildung sind daher

  • Seminare zur praxisorientierten Wissensvermittlung
  • Supervision der Supervision - Leitung durch erfahrene Lehrsupervisoren
  • Life-Supervisionen
  • Intervision - d. h. gegenseitige Supervisionen der Teilnehmer
  • Selbstreflexionsseminare
  • Durchführung von Interviews als kasuistische Forschung
  • Co-Supervision
  • Erstellung einer Falldokumentation über einen supervisorischen Prozess

Die Lehrveranstaltungen bestehen einerseits aus praxisorientierten Theorieseminaren und andererseits aus der „Supervision der Supervision“. Im Kursablauf ist beides so aufeinander abgestimmt, dass das jeweils im Seminar Vermittelte auch Schwerpunkt der Supervision der Supervision ist.

Jeder Kurs wird von einer Mentorin betreut, die für alle Fragen des Ablaufes zuständig ist.